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Buchstabengebäude

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Galerie Römerapotheke, Zürich
12. Dezember 2003 bis 14. Februar 2004

Im oberen Galerieraum, über der "Bildungssuppe", sind zehn kleine, aus Teigbuchstaben gebaute Objekte zu sehen. Sie erinnern in ihrer Dreidimensionalität an Bilder und Vorstellungen, die Texte im Kopf erzeugen.

„Bücher lehren uns, über Dinge zu sprechen, von denen wir nichts verstehen“, meinte Jean-Jacques Rousseau einmal. Oder: Haben Sie schon einmal ein Iglu gesehen? Ein richtiges aus Schnee und Eis, eines im fernen Grönland? Trotzdem der dreidimensional-wirkliche Eindruck fehlt – und vielleicht immer fehlen wird – , ist das Aussehen des Iglu ein fester Bestandteil der Bildung, der Bildungssuppe mithin, in der wir geschmort wurden. Die zweite Arbeit, die Brigitt Lademann ausstellt, beschäftigt sich den auch mit denjenigen Phänomenen, die in unserer Vorstellung existieren, weil wir Geschichten gehört und Bücher gelesen haben: Ufos oder die prototypische romantische Ruine. Mit Teigbuchstaben aus den Sätzen literarischer Texte konstruiert, etwa von Stanislaw Lem oder Charlotte Brontë, bilden die fragilen Objekte kleine Memento-Stationen. Erinnert wird an die Brüchigkeit der Vorstellungen, die wir uns von allem Möglichen und Unmöglichen machen.

Nadine Olonetzky