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SHAKE BEFORE USE

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Achtung, wir haben mangels genügender Anmeldungen, die Sonntagsvorstellung gestrichen!!! Wenn möglich am Samstag kommen.




Performance mit Wetter, Wassertropfen, 2 Frauen und Musik jaccard/schelling drift & brigitt lademann
Koproduktion mit Equilibre-Nuithonie Fribourg

Nach den erfolgreichen Aufführungen im Walcheturm in Zürich,
zeigen wir in Embrach im schönen Park des Teatro Di Capua eine Outdoor-Version unserer Performance, kombiniert mit dem leckeren Essen von Nicola.

Samstag 9. und Sonntag 10. Juli
18h – 19:30h Restaurant
kleines 3 Gangmenü 50.- Fr.
20h Performance 25.- Fr.
21h Bar

Teatro Di Capua

Oberdorfstrasse 16 8424 Embrach
Parkplätze beim Friedhof Bus Haltestelle Embrach Gemeindehaus
teatro di capua
bitte reservieren unter bis Do. 7.7.
mit Angabe von Tag und Essen ja oder nein
bitte bar an der Abendkasse bezahlen (no twint)


Klar ist, dass alles immer unübersichtlicher wird, und die Welt generell den Bach runter geht.
Der Tod wartet auf die Mikrobe genauso wie auf die Galaxie. Das sagt uns der 2. Satz der Thermodynamik. Entropie….ist unheimlich. Béatrice Jaccard und die bildende Künstlerin Brigitt Lademann holen sich die grossen Erzählungen der Galaxie und der Mikrobe in ihre eigene Welt. Mit subversivem und humorvollem Charme, sich selbst und der Kunst gegenüber machen sich die zwei Frauen unprätentiös daran, die Welt modellhaft nachzuvollziehen auf der Suche nach einer Gebrauchsanweisung.
Auf der Bühne sind zwei weibliche Daniel Düsentriebs zu sehen, die sich Welt und Wetter mit Alltagsgegenständen nachbauen.
Mit Installationen, Staubsaugern, Videos, Wasserkochern, Tanz, Tönen, Musik wird die Realität abgetastet. In anarchischer Umdeutung und Umkehrung von Funktionen werden Vorurteile und Erwartungen, Prozesse und Gewohnheiten auf den Kopf gestellt, durcheinander geschüttelt und neu zusammengesetzt.
Im Versuch, eine Gebrauchsanleitung für die Welt zu finden SHAKE BEFORE USE….

video try out 1

video try out 2

video try out 3


Kritik im P.S.

p.s.
29.10.2021

PHYSIK

Béatrice Jaccard und Brigitt Lademann
schüren in «Shake before use» die Freude,
sich über Kleines zu wundern.

Für Regen brauchts kein Wetter, für Stalagmiten
keine Höhlen, Geysire können
auch aus Kaffeemaschinen entstehen
und Wolken lassen sich bei Bedarf einfach
wegsaugen. «Shake before use» ist eine Nummernrevue
mit dem Ziel, das komplett altersunabhängige
Staunen hochleben zu lassen,
weil diese Aufmerksamkeit Freudeninseln in
ein Alltagsgrau zu zaubern vermag. Natürlich
ist das primär Physik in Form von Bühnenzauber
und (Film-)Trick, aber es wären nicht Béatrice
Jaccard, Brigitt Lademann zusammen
mit Peter Schelling (Endregie) und François
Gendre (Licht/Ton) am Werk, blinzelte nicht
hier und dort ein keineswegs bloss für spassig
zu haltender Hintersinn hervor. Die ersten
Künstlerinnen waren die Hölenmalerinnen in
Lascaux, der erstmals präsentierte, entsteinerte
Filmfund liefert den Beweis. Und Wolken
können nicht bloss mit Silberjodid zum
Wasserlassen ermuntert oder Drecksluft mit
Riesenturbinenfiltern gereinigt werden, es
genügt der gute alte Staubsauger mit den gewissen
Extras, um aus Luft, Feuchtigkeit und
Rauchpartikeln das werden zu lassen, wonach
einem beliebt. Hier: Wölkchen fürs Wohnzimmer.
Und die sollen ja Friedfertigkeit suggerieren,
die Fantasie anregen und Abwechslung
ins ewiggleiche und damit auch eintönig
werdende Himmelblau bringen. Weil die Sinne
mehr sein können als ihre Einzelteile, öffnet
der Abend nicht bloss das Herz und die Gedanken,
sondern auch Ohr, Aug und Nase. Die
Mittel fallen selbstredend sehr viel bescheidener
aus als bei Alexander Giesche und dem
Schauspielhaus Zürich, dafür ist die gesamte
Tonalität von «Shake before use» auch sehr
viel nonchalanter und gelassen. Schliesslich
will das Schwelgen, Staunen und Träumen im
Detail individuell bleiben und benötigt dafür
höchstens einen Stupser, aber sicherlich keine
gelenkten Vorgaben durch irgendwelche Klappen.

froh.


Kritik in der Liberté, Fribourg

La Liberté
2.10.2021

«Umdeutung von nicht identifizierten Objekten“

Die Welt der darstellenden Künste beschäftigt sich sehr mit seiner Bedeutung
und mit der Schwierigkeit für die nächste Generation von Tänzern oder
Darstellern, den Beruf unter den richtigen Bedingungen zu ergreifen. Aber es ist
auch eine Herausforderung, durchzuhalten und sich dabei ständig zu übertreffen
und zu erneuern!
Die Compagnie DRIFT, die in Freiburg und Zürich produziert, gehört zu denen,
die sich definitiv nie auf ihren Lorbeeren ausruhen.
Mit SHAKE BEFORE USE rüttelt sie weiter auf, mit einem Sinn für das
Grossartige und gleichzeitig für den Spott und einem schrägen Blick auf den
Begriff des Spektakulären, einem subtilen und entwaffnenden Humor
Diese neue Kreation ist entschieden experimentell, im fast wörtlichen Sinne
eines chemischen Labors und seiner in Bechern brodelnden Lösungen, aber
auch im übertragenen Sinne, denn DRIFT hinterfragt seine szenischen Mittel seit
über dreißig Jahren.
Die Mischung der Genres macht daraus ein völlig unklassifizierbares Stück, das
Tanz, zeitgenössische visuelle Kunstinstallationen, Elektromusik und
Soundeffekte verwendet.
In dieser sensiblen Performance ausserhalb aller Schubladen muss man nicht
unbedingt nach Codes oder Referenzen suchen wollen, außer vielleicht nach der
Freude am Umdeuten von Objekten.

Das amüsierte Lächeln
In der Unordnung der Bühne finden sich sowohl Haushaltsgegenstände, Leitern,
Staubsauger, Haartrockner, Gießkannen als auch technische Hilfsmittel wie
Sensoren, Mikrofone, Kameras, Bildschirme und zwei Technikern die auf der
Bühne sichtbar von ihren Pulten aus operieren. Und es finden sich unerwartete
Objekte, eine große Metallplatte, ein Schweißbrenner, ein medizinisches
Tropfgerät, unter dem sich Stalaktiten aus Sand bilden…
Wasser fällt in feinem Regen, der Wind bläst Rauchwolken, Möwen schreien auf
der Tonspur und ein Fuß fängt Feuer. Die beiden Künstlerinnen, die Tänzerin
Béatrice Jaccard und die bildende Künstlerin Brigitt Lademann, provozieren ein
Gewitter mit fotografischen Blitzen, während sie die Schrödinger-Katze
beschwören, benannt nach dem Gedankenexperiment, das uns hilft, die
Bedeutung des Beobachters in den Konzepten der Quantenphysik zu
verstehen…
Die fließende Abfolge der Bilder ist kontemplativ, die Szenen neblig, um nicht zu
sagen vernebelt, aber sie wecken die Wahrnehmungen und Sinne (vor allem den
Tastsinn, aber auch das Gehör) und beziehen sich gleichzeitig auf Theorien.
Die Objakte verwandeln sich und damit auch die Bühne, die Künstlerinnen sind
Laborantinnen, die mit den Eigenschaften des Materials und mit unserer
Wahrnehmung spielen.
Ein bisschen unglaubwürdig, sagen Sie? Einmal fangen die beiden Frauen die
von Rauchschwaden geweißte Luft in großen durchsichtigen Beuteln ein und
hängen sie auf, wie man es bei einer Ausstellung tun würde. Compagnie DRIFT
sucht in ihrer Arbeit nie den einfachsten Weg, woviel ist klar. Aber sie weiß zu
erstaunen, zu überraschen und zu faszinieren. Mit einem Lächeln im im Gesicht.
verstohlenes, amüsiertes Lächeln.
ELISABETH HAAS