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Adrianes Faden

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Villa Meier-Severini, Zollikon
„Parkett & Himmelbett“
5. bis 20. September 2009

Die Idee einen einzigen Faden so raffiniert zu organisieren, dass daraus ein Kleidungsstück oder sonst jede beliebige Form oder Hülle entsteht, finde ich absolut faszinierend, eine intellektuelle Glanzleistung. Für Ungeübte scheint der Verlauf des Fadens wirr zu sein, dabei ist es reine Logik, nicht unähnlich dem Pixelsystem des Computers. Stricken gilt bei uns als Frauenarbeit, Frauen kennen sich mit dem Organisieren des Fadens aus.
Das erinnerte mich an den einen Faden, den Ariadne ihrem Theseus mit ins Labyrinth gab. Erstaunlicherweise ist ein Labyrinth aber nichts in dem man sich verirren kann. Es ist jene Raumaufteilung, die den längsten Weg möglich macht von einem Eingang zu einem Zentrum. Im Zentrum ist der Minotaurus. Ein Labyrinth ist kein Irrgarten. Also wäre der Faden gar nicht nötig gewesen. Sie war diejenige, die das System kannte, er sollte es offenbar selbst heraus finden.

Ich habe nun mit rotem Seil den Weg in ein Labyrinth gestrickt: Ariadnes Faden. Das ergibt so etwas wie einen roten Teppich, einen roten Läufer; den Weg hinein und wieder hinaus. Vor allem die Römer liebten es, ihre Fussböden mit Labyrinthdarstellungen zu dekorieren. Allerdings markierten die Linien in diesen Darstellungen nie den Weg, sondern die Mauern.

Genau betrachtet ist diese Ode ans Stricken also eine Ode an den praktischen Verstand.

Der Weg in dieses Labyrinth ist 32 m lang. Dafür habe ich zirka 1400 m rotes 8 mm Seil verstrickt. Mit Stricknadeln ist das nicht möglich, ich musste eine andere Methode entwickeln.